Gemüse abzugeben? Beim Foodsharing profitieren auch andere davon (Foto: JerzyGorecki/pixabay)
Gemüse abzugeben? Beim Foodsharing profitieren auch andere davon (Foto: JerzyGorecki/pixabay)

Foodsharing – eine „zweite Chance“ für Lebensmittel

Obst, Gemüse, Milchprodukte, Fleisch – gerade „leicht verderbliche“ Lebensmittel landen im Mülleimer, wenn sie einfach „zu viel“ eingekauft wurden. Denn einmal im heimischen Kühlschrank angelangt, läuft für diese Produkte die Zeit ab. Doch nicht nur diese Nahrungsmittel werden häufig zu Unrecht weggeworfen, insgesamt, so besagt es eine ältere Studie der Universität Stuttgart, betrug die Menge entsorgter Lebensmittel bereits 2012 fast elf Tonnen im Jahr, wovon der Löwenanteil von 6,67 Tonnen (61 Prozent) auf private Haushalte und somit auf den Endverbraucher verfiel, der Rest auf Großverbraucher, Handel und Industrie. Die Studie teilt Lebensmittelabfälle in drei Kategorien ein – „vermeidbar“, „teilweise vermeidbar“ und „nicht vermeidbar“. Gerade das große Aufkommen „vermeidbarer“ Abfälle (und eine damit einhergehende Verschwendung im großen Stil) kann man einerseits auf Nachlässigkeit und eine falsche Einschätzung des eigenen Bedarfs zurückführen. Andererseits sind vielen Bürgerinnen und Bürgern möglicherweise auch die Alternativen zum Wegwerfen überflüssiger Lebensmittel wie die regionalen Zweigstellen der „Tafel“ oder auch Foodsharing nicht bekannt.

Foodsharing in der Überflussgesellschaft

Die einfachste Form von Foodsharing, also sein Essen zu teilen, ist sicherlich, die Reste der selbstgekochten Suppe einem Nachbarn oder Freund anzubieten, der selten Zeit zum Kochen hat. Oder man lädt Familienmitglieder und Freunde ein, leckere Überbleibsel von der Geburtstagsfeier gemeinsam zu verzehren. Zu Omas und Opas Zeiten, als Überfluss noch nicht an der Tagesordnung war, hat man sicherlich weniger vergeudet. Notfalls haben die Reste eben Hund und Katz‘ bekommen, oder die Schweine. Heute, in einer komplexen, globalisierten Welt, ist zumindest in den Industrieländern die Versorgungslage das kleinste Problem der Bevölkerung. Dafür gibt es immer noch zu viele Menschen in sogenannten „Entwicklungsländern“, die Hunger leiden oder von ihrem Lohn nicht leben können. Der Spruch „Nun iss deinen Teller leer, Kind, in Afrika müssen die Menschen hungern“, wie man ihn vielleicht noch von älteren Generationen kennt, ändert offensichtlich auch nichts an diesem globalen Umstand. Denn die andere Hälfte seiner Portion „auf satt“ in sich hineinzuwürgen, bringt dem wohlhabenden Kind in Deutschland nur Bauchschmerzen und dem hungernden Kind in Afrika im Endeffekt gar nichts. Überzähliges teilen ist immer eine bessere Alternative und Foodsharing ein wichtiges Anliegen – gerade jetzt und hier.

Wie geht denn nun dieses Foodsharing?

Auch im eigenen Umkreis gibt es sicherlich Personen und Gruppen, denen das „Zuviel“ im eigenen Kühlschrank oder Vorratsregal nützt, um „genug“ zum (würdevollen) Leben zu haben. Deswegen gilt die Regel: Teilen vor Wegwerfen! Lebensmittel, die das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) noch nicht überschritten haben, nimmt die örtliche „Tafel“ gern in Empfang, um sie für einen kleinen Obolus Bedürftigen aus der direkten Umgebung anzubieten. Dazu könnten Hartz 4-Empfänger zählen, aber auch verarmte Rentner, Obdachlose oder Familien mit großen finanziellen Schwierigkeiten. Produkte mit nicht mehr gültigem MHD können durchaus auch dankbare Abnehmer finden, zum Beispiel über lokal organisierte Foodsharing-Gruppen. An zentralen „FairTeilern“, Sammelstellen für „gerettete“ Nahrungsmittel, können die eigenen Fehlkäufe einfach abgegeben werden und kommen so kostenlos anderen Menschen zugute. Auch in OWL, beispielsweise in Bielefeld, Paderborn und Gütersloh, wurden bereits Gruppen und Netzwerke im Bereich Foodsharing gegründet. Über Facebook und andere soziale Netzwerke werden so Lebensmittel getauscht und verschenkt. Auf Bundesebene retten unter anderem die Initiativen Foodsharing e.V. und „Zu gut für die Tonne“ essbare Lebensmittel vor der Mülltonne – und Menschen unterhalb der Armutsgrenze vor einer Unterversorgung.

Gegen Verschwendung und Wegwerfen

Abschließend einige Tipps zur Vermeidung und Weitergabe von Lebensmittelresten:

– Bewährt, aber oft nicht beachtet: Essenspläne (bei Verwendung frischer, leicht verderblicher Produkte) und Einkaufslisten dabei, sich im Supermarkt auf das „Wesentliche“ zu konzentrieren.
Resteessen und Restekochen macht Spaß und bringt Menschen zusammen – ob in der Familie, im Freundes- und Kollegenkreis oder im Rahmen eines organisierten Foodsharing-Treffens.
– Trotz Plastikverpackung: Oftmals sind Tiefkühlprodukte eine echte Alternative. Gerade für Menschen, die nicht viel Zeit für das Schnippeln und Verkochen frischer Gemüsesorten haben. Die Tiefkühltruhe ist geduldig!
– Foodsharing über den „FairTeiler“ vor Ort spart Geld und ist einfach: Hingehen, Essen mitnehmen oder abgeben, fertig!
– Manche Foodsharing-Initiativen holen Lebensmittel auch von zu Hause oder direkt im Betrieb (Hersteller, Restaurant, Bäckerei …) ab.

Viel Freude beim Teilen wünscht

die Redaktion von „Wir leben Bio OWL“.

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